zurück in El Salvador – la Historia contra el Presente

August 30, 2010

Zurück in Bolivien

Mai 26, 2010

Medellin und die Paisas

Mai 26, 2010

Blick auf die andere Seite

Februar 11, 2010

Meine Lieben,

einen letzten Artikel moechte ich den Schattenseiten El Salvadors widmen. Ich habe hier nun knapp ein halbes Jahr gelebt und von Anfang an gespuert, dass dies ein sehr extremes Land ist, voller krasser Gegensaetze und unvergesslichen Erlebnissen. Anfangs hatte ich grosse Probleme damit, mich an die eingeschraenkte persoenliche Freiheit zu gewoehnen, da man hier – zumal als Frau – ohne eigenes Auto ans Haus gefesselt ist, weil oeffentliche Verkehrsmittel zu gefaehrlich und die Wege zu Fuss zu lang sind (Fahrradfahren wuerde beim salvadorianischen Fahrstil einem Suizidversuch gleichen). Jetzt, wo ich Abschied nehmen muss, bin ich schon komplett Salvadorianerin, weiss wie ich mich wohin bewegen kann, spreche das salvadorianische Spanisch fliessend und liebe dieses Land ueber alles.

Der Mensch gewoehnt sich an alles, und so habe ich mich auch ziemlich schnell an die allgegenwaertige, staendig drohende Gewalt und Unsicherheit gewoehnt. In meinen Artikeln habe ich bis jetzt nicht darueber berichtet, weil ich niemandem unnoetige Sorgen machen wollte, doch nun, in meinen letzten Tagen halte ich es fuer noetig, das Bild meines salvadorianischen Lebens etwas ins rechte Licht zu ruecken.   Ich leben hier in einem der “sichersten Stadtteilen” des Landes, was aber nur heisst, dass es hier nicht uebermaessig viele Mareros gibt. Generell kann man sagen, dass die Bandenmitglieder konzentriert in geschlossenen Vierteln leben und so lange man sich nicht dorthin begibt, kommt man ihnen auch nicht in die Quere. Leider hat sich das in den letzten Monaten sehr veraendert, dank einiger Anti-Marero-Massnahmen des neuen linken Praesidenten Funes, kommt es verstaerkt vor, dass die Mareros in andere, reichere Viertel expandieren, um dort ihre Erpressungsgelder einzukassieren. Das Wort Marero kann man eigentlich immer mit Drogen- und Waffenhandel, Erpressungsgeldern und Mord verbinden. Die Mordrate in El Salvador steigt stetig; waren es vor kurzem noch 11 Tote taeglich, sind wir mittlerweile bei 13 Ermordeten pro Tag angekommen, die meisten davon gehen aufs Konto der Mareros.  Polizei und Militaer sind ueberfordert, ermittelt oder gar bestraft wird kaum noch.

Wie macht sich das in meinem taeglichen Leben bemerkbar? Wie schon erwaehnt, ist es zu gefaehrlich hier mit dem Bus zu fahren. Erstens, weil es dort viele bewaffnete Ueberfaelle gibt und El Salvador eins der wenigen Lander ist, in dem du auch erschossen wirst, wenn du dich nicht zur Wehr setzt oder nur weil du kein Geld oder kein Handy dabei hast. Zweitens, weil taeglich mehrere Busfahrer von der Mara erschossen werden; das gesamte salvadorianische Bussystem wird naemlich von den Mareros kontrolliert, was heisst, dass alle Busfahrer Schutzgeld an die Mara zahlen muessen. Tun sie das nicht, haben die nicht mehr lange zu leben.   Ein paar Strassen von meinem Haus entfernt gibt es einige wenige Mareros. Schon in meinen ersten Monaten hier wurde ein Student an meiner Uni mit 8 Kugeln erschossen, als er nur ein paar Minuten vor mir die Uni verliess. Im selben Abend wurde von der Regierung Landesweite Ausgangssperre verordnet, da die Mareros angedroht hatten, ihre Viertel zu verlassen und die gesamte Stadt unsicher zu machen. Zitternd verbrachten wir den Abend zu Hause, bekam aber erst am naechsten tag zu hoeren, dass ein paar Strassen entfernt ein weiterer junge Mann und ein Busfahrer erschossen wurden. Ein paar Wochen darauf wurde aufm Hauptplatz unseres Stadtteils wieder jemand erschossen. Unser Nachbar wurde beim Betreten seines Hauses von einem Maskierten mit Waffe ueberfallen. Seit einigen Wochen schmeissen die Maras fast taeglich Granaten im Zentrum San Salvadors auf Geschaefte, die mit Sicherheitsmaennern arbeiten, die nicht mit den Mareros kollaborieren.  Vor 2 Wochen wurde ein Maedchen  - wieder auf unserem Hauptplatz, ein paar Strassen weiter – fast von Unbekannten in einem Pickup entfuehrt, beim Fluchtversuch schoss man mit 2 Kugeln auf sie. Ein Mann wurde in unserem Viertel in seinem Auto ueberfallen. Philipp klauten sie unbemerkt aus einem Auto sein Handy und Schluessel.  Ich selber hatte bis jetzt Glueck, wurde nie beklaut, nicht ausgeraubt und – man mag es kaum glauben – habe hier im Viertel nur einmal einen Schuss auch wirklich gehoert. anders als in einem Dorf ausserhalb San Salvadors, wo ich um Mitternacht von mehreren Schuessen geweckt wurde.

Dank meiner freiwilligen Arbeit in einer Art Kinderhort hatte ich die Chance, auch die andere Seite des ruhigen Lebens, das hautnahe Verbrechen nur ausm Fernseher mitbekommt, kennenzulernen. Mit meinen Kolleginnen fahre ich viel Bus durch ganz El Salvador und mittlerweile kann ich dabei auch ruhig sitzen, ohne vor Angst zu zittern. Ich besuchte einige der vielen Slums, die hier genau neben den riesigen Luxusvillen und -einkaufszentren versteckt sind und wo mir auch einige Mareros ueber den Weg liefen. Diese Slums haben mich zutiefst bewegt! ich musste erkennen, wie viele viele Salvadoreños in wirklich menschenunwuerdigen Verhaeltnissen zwischen Muell und verdreckten Tieren in Blechhuetten ohne fliessend Wasser leben. und das nur einige Meter von meiner gemuetlichen WG entfernt. Es hat mir gut getan, zwar hart, aber trotzdem lehrreich auf den Boden der salvadorianischen Tatsachen gestellt zu werden, nachdem ich die ersten Monate nur das leben der reichen Studenten kennengelernt hatte. Ich sehe nun Einiges sehr viel klarer.

Ich verdanke El Salvador sehr viel und hoffe auf ein Wiedersehen.

LaPequena

Honduras – nach dem Putsch

Januar 16, 2010

Weihnachtsfettnaepfchen

Januar 2, 2010

Feliz navidad,

und willkommen in meinem ueberaus wichtigen Artikel fuer alle, die irgendwann einmal Weihnachten in El Salvador verbringen wollen. Denn auch wenn vorher alles harmlos und einfach klingt, fuer Deutsche stehen zu diesem Fest einige Fettnaepfchen bereit. Ich bin natuerlich in jedes hineingesappt… aber da man ja aus Fehlern lernt, mach ichs das naechste mal besser ;)

wie schon erwaehnt, ist hier Weihnachten eine viel lockere, lebendigere und weniger besinnliche Feier. Als Grundregel koennte man sich ans deutsche Silvester halten und wenn man dann noch jegliche deutsche Weihnachtsbraeuche vergisst, ist man schon aufm richtigen Weg zur salvadorianischen Weihnacht. Gefeiert wird mit der Familie, wobei aber rein theoretisch auch jeder andere Bekannte eingeladen ist. man versammelt sich am 24. also an einem Ort, aber VORSICHT: hier beginnt Heiligabend fruehstens um 22.00 Uhr und das auch nur fuer die Kinder. Die duerfen dann naemlich bis um 24.00 Uhr Boeller und Raketen zuenden. weiter passiert vor Mitternacht nichts. Geschenke werden erst um Mitternacht uebergeben!! und auch Frohe Weihnachten wird erst um Mitternacht mit einer Umarmung gewuenscht… wie Silvester eben!  wie komisch muss ich gewirkt haben, als ich schon um 22.00 meine Mitbringsel uebergeben und allen Feliz Navidad gewuenscht habe… ;)   naja, auch aufs Essen muss man bis nach Mitternacht warten. erst dann wird der Truthahn und alles andere aufgetischt… und das ist wohl der einzige Programpunkt der mit Deutschland ueberein stimmt, denn hier wie dort ist das Essen reichlich und die Familie gemeinsam am Tisch. Nach dem Essen ist der offizielle Familienteil beendet (so gegen 2.00 Uhr morgens), die Kinder gehen ins Bett und die Jugend feiern. Phil und ich verbrachten die Weihnachtsparty mit vielen Freunden, viel Alkohol und den typischen Weihnachtskumbias bis zum Morgengrauen. Alles in allem eine sehr schoene und interressante Erfahrung… schon komisch wie man in solchen Situationen davon ausgeht, dass das Altbekannte aus der Heimat allgemeingueltig ist.

Silvester ist witziger Weise genau desselbe wie Weihnachten hier. Ab 22.00 Uhr Boeller, “Frohes Neues” um 24.00 Uhr, essen und Party. Ich habe die beiden Feierlichkeiten sehr genossen und neue Einblicke in salvadorianische Familien und Haeuser gewonnen.

Die restliche Ferienzeit haben wir einige Ausfluege gemacht, an Seen und Straende, haben die Hitze, das Meer genossen, uns gebraeunt und mehr vom Land kennengelernt. Eine tolle Weihnachtszeit, da sie so ganz anders und die deutsche Kaelte gaaanz weit weg war fuer mich. An Weihnachten und Silvester hatten wir tagsueber weit ueber 30 Grad und in der Neujahrsnacht wars auch noch um Mitternacht so warm. Weihnachtssterne wuchern hier ueberall seit einer Woche in allen Gaerten und sogar auf der Strasse in grossen Bueschen ueppig bluehend…wunderschoen und so ireal, dass man sie in Deutschland in Toepfen verschenkt und nach 2 Wochen wegschmeisst. Trotz allem  freue ich mich auch schon wieder auf ein besinnliches Weihnachten in Deutschland, ist dann eben doch das Gewohnte und Vertraute.

Ein wunderbares Jahr 2010 wuensche ich allen! Ein neues Jahr, in dem ich hoffentlich alle meine Lieben dort drueben wiedersehen werde!

LaPequena

im Detail

Dezember 12, 2009

Meine Lieben,

heute moechte ich mal einbisschen genauer auf die vielen, oft missachteten, aber ebenso wichtigen Details El Salvadors eingehen. Zur allgemeinen Lage kann ich nur sagen, dass es furchtbar ultraheiss ist… taeglich eine fast unertraegliche Hitze, da es nun nach Ida komplett aufgehoert hat auch nur einbisschen zu regnen. ob da bis Weihnachten wirklich noch die von allen gepriesene Kaelte kommt, wage ich zu bezweifeln. Desweiteren ist seit Freitag mein Auslandssemester hier offiziell vorbei, ich habe alle Klausuren geschrieben, insgesamt sehr gute Noten ohne grossen Auswand erzielt und starte so guten Mutes in die Ferien. In diesen 2 Monaten arbeite ich freiwillig in einem Kinderhort, da mir die Arbeit mit Kindern schon gefehlt hat und ich mich auf diese weise nicht so unbeschaeftigt fuehle.

Und nun zu meinen Kleinigkeiten. Zum Beispiel leben, neben den vielen Ameisen und Riesenkakerlaken, auch einige winzige Gekos in unserer Wohnung. Diese Minivieher verdienen sehr wohl Beachtung, weil sie einerseits echt ekelig, andererseits aber super intelligent sind. Die kommen abends aus ihren Verstecken gekrochen und setzen sich neben die Lampen, weil sie wissen, dass die Fliegen zum Licht fliegen. Dort warten sie dann seeenruhig darauf, bis ihnen eine der Muecken nah genug heranfliegt, um sie mit der langen Zunge zu verschlucken. Sollten die Gekos mal keine Lust auf Fliegen haben, setzten sie sich wahlweise einfach auf eine der Ameisenstrassen und lassen sich das Essen quasi in den Mund laufen. Ist das ein Leben…?!  Und wo wir schon beim Essen sind: das “traditionelle” und “typische” Essen El Salvadors sind Pupusas. Diese gefuellten Maisfladen werden ueberall verkauft, mit scharfem, eingelegtem Kraut und Tomatensosse gegessen und es gibt wohl keinen Salvadorianer, der sie  nicht liebt. Pupusas sind so gut wie fuer jeden erhaeltlich, denn sie kosten nicht mehr als 35 Cents (Dollar) und die Pupuseras (die Frauen, die sie machen) sind wohl die hochgeachtetsten Damen des Landes. Das witzige ist, dass Pupusas so wie eh und je mit den Fingern gegessen werden, obwohl das eine riesige Sauerei ist und dazu schwierig, weil sie sehr heiss serviert werden. Doch die Salvadorianer sind stolz darauf, einbisschen ihrer “urspruenglichen” Traditionen gegenueber den vielen auslaendischen Einfluessen (wie Messer und Gabel) zu bewahren und verdraengen so erfolgreich, dass das Ursprungsland der Pupusas gar nicht feststeht bzw. hoechstwahrscheinlich Honduras ist. So beginnt schon bei so simplen Dingen wie dem Essen die verzweifelte Suche nach der “wahren” salvadorianischen Kultur, die wenn man sich naeher damit beschaeftigt, schon laenger nicht mehr existiert, bzw mittlerweile ein einzigartiger Mix aus vielen kleinen Bestandteilen fremder Kulturen ist.

Jede Nacht riecht bzw stinkt es in unserem Viertel furchtbar stark nach Katzenfutter. Am Anfang ekelte mich dieser Geruch so an, dass ich oft Probleme hatte, deshalb einzuschlafen. Nach 3 Monaten faellt er mir gar nicht mehr auf, bzw vermisse ich ihn, wenn er mal eine Nacht ausbleibt. Ich weiss wirklich nicht, woher dieser Gestank kommt, ob aus der Kanalisation oder vom Freidhof, aber er beweist wieder einmal, dass sich der Mensch an alles gewoehnt, und sei es noch so unangenehm. Eine andere Sache, die mich oft am schlafen hindert, ist der Laerm. Wir wohnen an einer viel befahrenen Strasse und quasi 24 Stunden brettern grosse LKWs in Richtung des nahen Supermarkts an unserem Haus vorbei, so dass die Fenster manchmal sogar klirren. Da frag ich mich oft schon, ob das wackeln des Hauses nun ein LKW war oder doch ein Erdbeben, doch bis jetzt sind es haeufiger die dicken Brummer als das natuerliche Wackeln (vor 2 Wochen hatten wir eins der Staerke 6 auf der Richterskala!!).  In diesen schlaflosen Momenten mit Katzengestank und Autolaerm wuensche ich mir dann doch oft mein ruhiges, wenn auch kaltes Bett in der Bergluft Boliviens herbei ;)

Die Salvadorianer verbinden Zimtgeruch/-geschmack, Kaelte und “Oh Tannenbaum” nicht mit Weihnachten. Hier ist es heiss, es werden Boeller geworfen und Salsa bzw Cumbia gespielt, um in Weihnachtstimmung zu kommen :) Dass es sowas wie Schneemaenner und echte Weihnachtsbaeume tatsaechlich gibt, ist fuer die meisten unvorstellbar.

Ein riesiger kultureller Unterschied zu Deutschland hat Phil und mir anfangs schwer zu schaffen gemacht: Zeugt es in Deutschland von hoeflichkeit, ein Angebot (ein Stueck Kuchen, den Sitzplatz etc) mit einem “Nein danke” abzulehnen, wird diese Reaktion hier als persoenliche Beleidigung aufgenommen. HIer ist genau das Gegenteil hoeflich: naemlich moeglichst jedes Angebot mit einem “ja gerne” anzunehmen. In den ersten Wochen habe ich so einige Leute veraergert und es kostet mich verdammt viel Ueberwindung, dass “nein” jedesmal runterzuschlucken. da sieht man mal wieder, wie tief das erlernte aus der Sozialisation sitzt ;)

Das Meer ist, seitdem es nicht mehr regnet, wie verwandelt. Vergessen die meterhohen stuermischen Wellen, der aufgewirbelte Sand, angespuelte Steine und Muell. Jetzt ist das Wasser glasklar, die Wellen “kleiner”, der STrand “sauber” und ab und zu kann man richtig grosse Fische und Riesenschildkroeten vorbeischwimmen sehen. Ich freu mich schon sehr darauf, nun endlich Surfen zu lernen und vor allem Weihnachten in einer solchen Atmosphaere zu verbringen!

sonnige (Weihnachts-)gruesse :)

LaPequena

hinweis

November 21, 2009

Mein neuster artikel ist rechts unter “Seiten” zu finden: “Ida, Antigua und andere Katastrophen”… wenn irgendwer weiss, wie ich aus einer Seite einen Artikel machen kann, bitte bescheid sagen, danke!

von Extremen und Gegensaetzen

Oktober 28, 2009

Meine lieben Lieblinge auf der anderen Seite des grossen Wassers,

zu allererst moechte ich mich fuer alle Komentare und Mails bedanken, die ich von euch bekomme. Denn es ist schon komisch so viel ueber sein leben online zu stellen und dann kein feedback zu bekommen. also bitte bitte schreibt kurz was euch so durchn kopf geht, damit ich weiss, dass ueberhaupt jemand meinen blog liest.

jetzt komme ich auch schon zum ernsten teil. eigentlich wollte ich diesen eintrag schon letzte woche schreiben und in meinen gedanken war er auch schon komplett fertig und perfekt… doch erstens kommt es anders und zweitens… kurz gesagt mir ist da etwas ziemlich unangenehmes dazwischen gekommen, was ich nun kurz in ein paar worten schildern will. trotz all eurer guten Wuensche hat es mich letzte woche erwischt…ganz unerwartet und ohne vorzeichen hatte ich ploetzlich die “Schweinegrippe” oder “neue Grippe” oder “Grippe A”… wie auch immer. ich weiss nicht wo ich mir sie geholt habe oder warum gerade ich als einzige (!!!) im ganzen Stadtteil sie sich eingefangen hab, aber sie war ploetzlich da letzten mittwoch. am dienstag war noch alles normal, einbisschen halsschmerzen hatte ich vielleicht…aber dann legte ich mich ins bett und wurde mitten in der nacht von fieberschueben und gliederschmerzen geweckt. mein erster gedanke war -ganz klar- Gippe. also verbrachte ich den ganzen tag brav im bett, schlafend und das fieber ausschwitzend. als es mir am donnerstag immer noch nicht besser ging, wurde mir von allen seiten geraten unbedingt zum arzt zu gehen, was ich dann auch gleich tat. innerhalb weniger stunden war die diagnose “Influenza A(H1N1)” gestellt und ich gott sei dank so tief im fieberdilirium, dass ich den ernst der lage gar nicht wahrnahm. doch meine wg traf waehrendessen alle notwendigen sicherheitsmassnahmen, so dass ich mich abends allein in meinem zimmer, umgeben von unmengen von starken medikamenten, mundschutz, plastikhandschuhen, plastikbechern etc. wiederfand. keiner durfte mein zimmer ohne mundschutz betreten, ich durfte mein zimmer nie verlassen, musste von plastiktellern mit plastikbesteck essen und mein muell wurde wie giftmuell sofort entsorgt. gluecklicherweise habe ich einen tollen Mitbewohner namens Phillip, der mir Tees und Suppe kochte, todesmutig meinen Muell wegbrachte und sogar ein paar minuten am tag mit mir sprach ;)   am freitag war dann der hoehepunkt meines Leidens…mein Fieber nahm unertraegliche gestalt an, mein kopf drohte zu explodieren, mein ganzer koerper brannte, ich hatte die schrecklichsten Fiebertraeume und jammerte den armen Phil voll, dass ich noch nicht sterben wolle. der wusste natuerlich, dass es fuer mich noch nicht an der zeit war, wechselte zuverlaessig das kalte tuch auf meiner stirn und blieb sogar ruhig als ich mir die seele ausm leib kotzte und er das ganze raustragen musste. als ich am samstag aufwachte kam mir alles vor wie ein boeser traum, ich fuehlte mich besser und stabiler und seit dem geht es fuer mich aufwaerts. heute habe ich zum ersten mal wieder richtig gegessen  (ich wusste nicht wie viel man in so wenig tagen abnehmen kann!) und ab morgen darf ich laut arzt wieder in die uni gehen. ich bin so unendlich froh, dass das ganze so schnell und “problemlos” vorbei gegangen ist, kann es kaum glauben dass ich schon wieder mit eigener kraft auf meinen beinen steh und mein held ist natuerlich Phil-der coolste Krankenpfleger der welt!

soviel zu diesem thema. jetzt bleibt mir natuerlich nicht mehr viel platz um all das zu schreiben, was ich eigentlich erzaehlen wollte. nun gut, ich beschraenke mich auf das interessanteste thema: meine private studie ueber die generationsunterschiede im denken der Salvadorianer. ich weiss nicht, ob ihr alle wisst, dass hier in El Salvador bis 1992 ein Buergerkrieg gewuetet hat, der viel viel Zerstoerung und Menschenrechtsverletzungen – vor allem an unschuldigen bauern – mit sich gebracht hat. ich zaehle die gegenwaertige zustaende also noch zur nachkriegszeit, immerhin sind alle unsere freunde hier im krieg geboren, und sehe das Land und seine Leute im tiefsten vergessen und verdraengen. unglaublicherweise wird im geschichtsunterricht der krieg voellig verschwiegen und von sich aus redet hier keiner ueber diese schreckenszeit – es ist, als haette sie nie existiert. doch wenn man auf die vielen kleinen zeichen im verhalten der menschen achtet, faellt etwas auf: man kann die salvadorianische gesellschaft, jetzt einmal ganz pauschal, in zwei generationen teilen: die aeltere generation, alle ueber 30, die die vielen kriegsjahre miterlebt haben. und die junge generation, alle unter 30, die keine kriegserinnerungen haben und in der verdraengungsideologie aufgewachsen sind. es ist sehr auffaellig, dass die aelteren sehr anders denken, sehr misstrauisch und negativ gegenueber dem eigenen volk sind. von vielen verschiedenen seiten habe ich schon den ratschlag bekommen: “vertraue niemandem! niemandem! als auslaenderin hast du hier keine wahren freunde!” ich kenne einige aeltere personen, die dieses denken total verinnerlicht haben, ueberall das boese sehen, sogar in Facebook, was eigentlich ein kontrollsystem des staates ist!  und dann kommt im krassen gegensatz das denken der jugend hinzu: “mach dich locker! immer mit der ruhe” ist hier das motto. die jugendlichen scheinen extra ausschweifend das leben ohne grenzen geniessen zu wollen, geniessen es ihre unbeschwerte freiheit zu leben und sei es nur, das studieren zu koennen, was sie wirklich wollen. die unschoene vergangenheit und gegenwart (Mara-Jugendbanden!) werden im alltag der jungen leute voellig verharmlost, verniedlicht oder totgeschwiegen, so dass ich oft die Illusion bekomme, in dem friedlichsten und perfektesten Land der welt zu leben – hier gibt es keine Buerger- oder Bandenkriege, wir leben fuers Surfen, Saufen und chillen… und wenn ich ehrlich bin, fuehle ich mich wohl mit diesem Gedanken. ich fuehle mich sicherer in der gesellschaft von vielen leuten, die keine angst haben, als mit menschen die staendig und ueberall das boese sehen. ich bin mir der gewalt und gefahr El Salvadors bewusst, doch was bringt es mir, niemandem zu vertrauen und ein Leben voller Angst zu fuehren?

so, soviel “in kuerze” zu dem, was mich hier so beschaeftigt. das naechste mal gibts vielleicht wieder einen etwas heiteren eintrag, moechte euch ja nicht das urlaubsfeeling beim lesen meines blogs nehmen ;)

freue mich auf komentare

LaPequena

Von Regen und Insekten

Oktober 3, 2009

Holas mis preciosos amiguitos,

einen Monat El Salvador, ich kann es kaum glauben… mir kommt es so vor als waere ich schon ewig hier und gleichzeitig ist die zeit so schnell vergangen. Ich habe mich hier in San Salvador so schnell eingelebt wie sonst nirgends, irgendwie war alles so gewohnt, so aehnlich, nach Bolivien und Kolumbien eben kein grosser unterschied mehr.

Dennoch gibt es natuerlich einige Dinge, die ich hier erst neu lernen musste. Hitze zu ertragen ist eins davon. Die ersten Wochen waren fuer mich einfach nur unendlich heiss, ich hatte immer so wenig an wie moeglich und trotzdem lief mir tagsueber der schweiss in stroemen. Mittlerweile habe ich gelernt den Ventilator zu bedienen und dass es bei diesen Temperaturen auch schon egal ist, was man an hat. So gehe ich nun auchab und zu wie alle anderen Maedels  in jeans und T-shirt in die Uni, fuehle mich superstolz dabei und bekomme auch noch anerkennende Kommentare, so wie Phil, wenn er statt FlipFlops Sportschuhe anzieht ;)

Gluecklicherweise hatten wir den letzten Monat noch totale Regenzeit, was heisst, dass ein mal am Tag, meistens gegen Abend ein dickes Gewitter mit viel viel Regen aufgezogen ist und uns so wenigstens fuer ein paar Stunden Abkuehlung gebracht hat. Ein laestige Nebenwirkung davon ist leider, dass durch den vielen Regen das Meer sehr ansteigt und riesige, stuermische Wellen entstehen. Deshalb waren wir in letzter Zeit nich sehr oft am Strand, da der eben gar nicht existiert waehrend der Regenperiode und wenn wir dann doch mal dort waren und sich die allermutigsten (Phil !!!) in die Fluten zum surfen getraut haben, wurde mir stets geraten, meiner Gesundheit zuliebe doch lieber bis Dezember zu warten… so haben meine surfkenntnisse noch keine fortschritte gemacht und ich uebe mich im geduldigen vom-strand-aus-zugucken.

Meine traditionelle eingwoehnungs-Grippe habe ich vor einer woche auch hinter mich gebracht, aber ich warte nur auf die naechste, da mich dieser staendige Heiss-Kal-wechsel beim betreten und verlassen von Geschaeften noch umbringt. gerade hat es hier im internetcafe ca. 15 grad, waehrend es draussen gefuehlte 35 sind.

Am anfang hatte ich mich noch gefreut, dass es hier keine Floehe und Moskitos gibt, doch bald musste ich einsehen, dass mich irgendwas unbekanntes, unsichtbares jede Nacht sticht. Ich weiss bis heute nicht was es ist, doch ich verdaechtige die vielen kleinen Ameisen die uns hier auf Schritt und Tritt begleiten. Nachdem ich schon in 2 Naechten davon geweckt wurde, dass mir eine dicke Kakerlake oder eine fette Spinne uebers Gesicht gelaufen ist, habe ich nun doch mein Moskitonetz aufgehaengt… baaaaeeeehhhhh!!!!  wirklich unangenehm so viel Krabbelvieh ueberall!

Das im letzten Artikel erwaehnte Problem mit den Komentaren der Latinos hat sich fuer mich auch erledigt. Mittlerweile bin ich die perfekte Latina, lass mich von so Kleinigkeiten nicht mehr irritieren, laechle freundlich zurueck wenn die Polizei lauthals ihre Bewunderung kundtut oder setzte das angeekelte latina-gesicht auf, dass beigebracht bekommen habe ;)   ausserdem versuche ich in meinen alltagswortschatz nun auch mehr “ich liebe dich” etc einzubauen, um nicht das Klischee der Gefuehlskalten Deutschen zu bestaetigen.

In der Uni war es die letzte Woche eher anstrengend, da wir unsere ersten Pruefungen hatten und mir zwei tage vorher klar geworden ist, dass ich doch mal was lernen sollte. aber die Examen liefen gut, das niveau ist einfach viel niedriger als in Deutschland und so habe ich nun ein paar tage zum durchschnaufen und an den Strand fahren ( es hat jetzt schon 3 Tage nicht mehr geregnet!)  Neben dem Strand haben wir Ausfluege zu einigen der vielen Vulkane El Salvadors gemacht und Maya-Ruinen besichtigt. Das Land ist superwunderschoen und ich finds schade, dass ich hier so wenig aus der Stadt rauskomme. Fuer alles braucht man hier ein Auto, Phil und ich sind ohne unsere Bekannten komplett unmobil und ans Haus gefesselt. Schwer sich daran zu gewoehnen…

Doch ansonsten gibt es wirklich weniges zu beklagen, ich liebe El Salvador und moechte hier nicht mehr so schnell weg. Sogar das Essen hier ist gut, ich hatte noch kein einziges Mal Magenprobleme!!!

was will ich mehr???  Soweit der neuste Stand…

bis bald, les quiero, muchos besos

LaPequena


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